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Stigmatisierung

Die zweite Krankheit

Im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen gibt es immer noch so viele Vorurteile und Tabus, dass Menschen, die davon betroffen sind, oft doppelt leiden - daher wird diese Stigmatisierung auch die zweite Krankheit genannt. Sie leiden nicht nur unter den Symptomen der Erkrankung, sondern auch darunter, dass sie sich schämen, daran erkrankt zu sein. Sie schämen sich, weil sie wissen oder glauben, dass die Gesellschaft ihre Krankheit oft nicht als Krankheit anerkennt – oder auch weil ihnen selber gar nicht bewusst ist, dass es eine Erkrankung ist. Sie ziehen sich zurück, Ängste und Hoffnungslosigkeit begleiten sie, zum Teil bis zum Suizid. Wir können das verhindern, indem wir etwas gegen die noch immer vorherrschenden Vorurteile tun. Es ist unendlich wichtig, möglichst viele Menschen - auch Betroffene - dafür zu sensibilisieren, dass psychische Erkrankungen nicht durch Charakterschwäche, Versagen oder Überforderung entstehen, sondern durch ein komplexes Zusammenspiel von genetischen, körperlichen und sozialen Faktoren. Niemand muss sich für eine psychische Erkrankung schämen.

 

Wir leben in einer Gesellschaft, die von jedem Menschen ein gewisses Funktionsniveau erwartet. Arbeiten, soziales Leben, Familie, Hobbys…das ist doch der Grundstock, der vorhanden sein sollte, oder? Psychisch erkrankte Menschen versuchen oft unter größten Anstrengungen weiter zu "funktionieren", damit keiner merkt, dass sie psychisch erkrankt sind. Das ist ein sehr großer Kraftakt. Viele können dieses Funktionsniveau aber oft nicht aufrechterhalten, ebenso wie Menschen, die an anderen Krankheiten leiden übrigens. Dennoch wird es bei solchen Menschen mit körperlichen oder sichtbaren Symptomen eher akzeptiert. Für psychisch Erkrankte gilt oftmals noch das „stell dich nicht so an, wird schon wieder“- Prinzip, wenn es sich um Depressionen handelt zum Beispiel. Es kann auch die Angst vor unvorhersehbarem Verhalten sein, wie etwa bei jemandem, der psychotische Symptome zeigt. In beiden Fällen scheint aber die Angst vor dem Unbekannten eine große Rolle zu spielen, was ja nicht ungewöhnlich ist. Je mehr Wissen Außenstehende über psychische Erkrankungen haben, desto besser können wir Vorurteile und Tabuisierung abbauen. In den letzten Jahren hat sich da bereits einiges getan, aber es reicht noch nicht!

Da bleiben, Zuhören

Stell dir vor, du hast eine Freundin, die im Rollstuhl sitzt und du bist dir unsicher, wie ihr außerhalb der Wohnung zurechtkommt. Brichst du den Kontakt ab? Was machst du, wenn ihr doch zusammen unterwegs seid, und sie mit dem Rollstuhl die Treppe nicht hochkommt? Du überlegst dir wahrscheinlich, wie du ihr helfen kannst und fragst sie im Zweifel, was du tun sollst. Auch wenn du dir in der Situation unsicher bist, werdet ihr irgendwie ans Ziel kommen, auch wenn die Treppe gerade ein Hindernis darstellt. Genau das gleiche gilt für psychische Erkrankungen: sei da, hör zu und frage im Zweifel nach, was du tun sollst. Lass psychisch erkrankte Freunde oder Angehörige nicht einfach unten an der Treppe stehen, weil du in dem Moment nicht weißt, wie ihr ans Ziel kommt. Bleib da. Vielleicht findet ihr es in manchen Situationen einfach gemeinsam beschissen, dass ihr beide gerade nicht wisst, wie es weitergeht. Trotzdem kann es schon hilfreich sein, nicht allein vor dieser unüberwindbaren Treppe zu stehen, sondern jemanden an seiner Seite zu haben – egal ob dein Gegenüber im Rollstuhl sitzt oder gerade eine psychische Erkrankung durchmacht.

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Teile dein Wissen, versuche Vorurteile zu entkräften.

Überlege, wie du im Alltag mit psychischen Erkrankungen umgehst, welche Vorurteile hast du?

Mache anderen Menschen Mut und baue Vorurteile ab, erzähle deine Geschichte.


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Was kann ich gegen Stigmatisierung tun?

Arbeite aktiv mit daran, dass Mythen und falsche Vorstellungen von psychischen Erkrankungen bekämpft werden. Teile dein Wissen zu psychischen Erkrankungen und weise andere darauf hin, dass diese nichts mit Charakterschwäche oder mangelnder Willensstärke zu tun haben.

 

Reflektiere deinen eigenen Umgang mit psychischen Erkrankungen, achte darauf, wie du im Alltag mit den psychischen Problemen anderer umgehst und wo dir vielleicht das Hintergrundwissen fehlt.

 

Beantworte folgende Fragen spontan und ehrlich!

 

Was denkst du am ehesten, wenn dir in der Stadt jemand entgegenkommt, der sich lautstark mit jemandem unterhält, der für dich nicht sichtbar ist?

  • Was ist dem mit dem los, schnell weg hier!

  • Hat der Drogen genommen?

  • Wahrscheinlich ist er krank und sieht oder hört Dinge, die ich nicht sehe. Dafür kann er nichts.

 

 

 

 

 

 

 

Deine Kollegin ist schon wieder krankgeschrieben. In letzter Zeit macht sie immer wieder Fehler, sie ist ziemlich schnell genervt und redet nicht mehr gerne mit dir. Was denkst du am ehesten?

  • Die macht es sich einfach, jetzt bleibt die ganze Arbeit an mir hängen.

  • Vielleicht kann sie wirklich nicht mehr und braucht mal eine Auszeit. Wenn sie wieder da ist, versuche ich Mal mit ihr zu reden.

 

  • Wenn ich mir jedes Mal einen Krankenschein holen würde, wenn ich schlecht geschlafen habe!

 

Ein Freund von dir macht in letzter Zeit viel Sport und achtet sehr auf seine Ernährung. Viele Lebensmittel verbietet er sich, weil er abnehmen will. Deine Einladung zum Burger-Essen hat er auch abgelehnt. Was denkst du am ehesten?

 

  • Er war halt zu viel auf Instagram, aber eine Essstörung kann’s nicht sein, das bekommen nur Frauen.

 

  • Der übertreibt ein bisschen, ein Burger hat noch keinem geschadet.

 

  • Wenn das so weiter geht, werde ich ihn mal darauf ansprechen.

 

 

 

#nostigma

Oft neigen wir im Alltag zu Vorurteilen oder stecken Menschen aufgrund ihres Verhaltens in eine Schublade. Achte im Alltag darauf, wie du mit Menschen umgehst, die psychische Probleme haben und was du über sie denkst. Wenn es um psychische Erkrankungen geht, sind Betroffene täglich mit vielen Vorurteilen konfrontiert, die ihren Alltag zusätzlich belasten und ihre Genesung erschweren können. Oft holen sie sich erst spät oder gar keine Hilfe, weil sie sich schämen.

 

Mach dir bewusst, dass Betroffene trotz oder gerade wegen ihrer Erkrankung jeden Tag Großes leisten, weil sie sich jeden Tag überwinden müssen bestimmte Dinge zu tun, die für dich ganz normal sind. Für viele ist jeder Tag ein Kampf, aber trotzdem geben sie nicht auf, obwohl sie nicht wissen, wie lange sie diesen Kampf noch kämpfen müssen. Andere sind psychisch erkrankt, ohne dass es jemand merkt, weil sie viel Arbeit und Energie investieren, um „ganz normal“ am Leben teilzuhaben.

 

Respektiere die Leistung, die psychisch erkrankte Menschen jeden Tag vollbringen.

 

Dann wird es dir wahrscheinlich auch leichter fallen, deine Vorurteile abzubauen.

Was könnte der Grund sein?

Psychosen äußern sich zum Beispiel dadurch, dass Menschen Stimmen hören, Menschen oder andere Dinge sehen, die wir in unserer Realität nicht wahrnehmen. In dieser akuten Phase ist der Zugang zu ihnen sehr schwer, vielleicht schaffen sie es nicht, sich rechtzeitig Hilfe zu holen. Oft wird diese Erkrankung auch von Substanzmissbrauch (z.B. Alkohol) begleitet, weil der Alltag für die Betroffenen schwer zu ertragen ist.

Was könnte der Grund sein?

Ein Burnout wird von Betroffenen oft nicht sofort erkannt. Symptome sind zum Beispiel Konzentrationsprobleme, Gereiztheit oder Zynismus. Auch fällt es ihnen immer schwerer, Gespräche zu führen, weil sie emotional und körperlich erschöpft sind. Oft leiden Betroffene auch unter körperlichen Symptomen wie Rückenschmerzen oder Magen-Darm-Problemen, sie sind auch anfälliger für Infekte.

Was könnte der Grund sein?

Essstörungen können auch Männer treffen, doch weil sie sich besonders schämen, daran erkrankt zu sein, sprechen sie nicht darüber. Ein verändertes Essverhalten, das Verbieten von Lebensmitteln und exzessiver Sport können ein Hinweis auf eine Magersucht (Anorexia nervosa) sein. Das Leben der Betroffenen dreht sich immer mehr um das Thema essen und sie ziehen sich mehr und mehr zurück. Depressionen oder Angsterkrankungen können ebenfalls auftreten. Je früher die Hilfe einsetzt und angenommen wird, desto besser sind die Heilungschancen.