Wolke mit Silberstreifen

Psychosen
Verstehen

Wie entsteht die zweite Welt - Ursachen

Bei Psychosen kommen, wie bei anderen psychischen Erkrankungen auch, viele Faktoren zusammen, die dafür sorgen, dass die Krankheit ausbricht. In vielen Bereichen wird dazu noch geforscht. Eine wichtige Rolle spielen wohl die Gene, denn wenn Mutter oder Vater betroffen sind, erkranken 10% der Kinder ebenfalls. Laut Forschungsergebnissen haben Veränderungen im Gehirn und ein Ungleichgewicht des Botenstoffs Dopamin wahrscheinlich ebenso Auswirkungen wie Drogenkonsum, belastende Kindheitserlebnisse, Migration oder Komplikationen bei der Geburt. Das alleine zeigt, wie komplex dieses Krankheitsbild ist und beweist einmal mehr, dass niemand schuld ist, daran zu erkranken. Mittlerweile ist auch bekannt, dass Drogenkonsum nicht grundsätzlich zu Psychosen führen muss. Menschen, die bereits eine erhöhte Verletzlichkeit haben und somit ein höheres Risiko zu erkranken, können den Ausbruch der Krankheit allerdings durch Drogenmissbrauch beschleunigen.

Plus und Minus - Varianten & Symptome

"I'm just someone who cannot turn off my nightmares, even when I'm awake."

Cecilia McGough

Gründerin von Students With Psychosis

Es gibt unterschiedliche Varianten von psychotischen Erkrankungen, die alle ähnliche Symptome aufweisen. Nicht alle Symptome treten gleichzeitig auf, es gibt aber gewisse Leitsymptome, die auf diese Erkrankungen hinweisen. Damit zum Beispiel eine Schizophrenie diagnostiziert werden kann, müssen gewisse Symptome aus der folgenden Liste über mindestens einen Monat vorhanden sein.

  • Betroffene glauben, dass ihre Gedanken auf unterschiedliche Weise von außen beeinflusst werden:

                Gedankeneingebung: Gedanken werden von außen eingespeist

                Gedankenlautwerden: andere Menschen können ihre Gedanken hören

                Gedankenentzug: Gedanken reißen ab oder fehlen

                Gedankenausbreitung: andere Menschen können ihre Gedanken lesen

  • Wahnwahrnehmungen oder das Gefühl, dass Körper, Verhalten etc. von außen gesteuert werden, Kontroll- oder Beeinflussungswahn

 

  • Stimmenhören (zum Beispiel eine Stimme, die alles kommentiert, was man tut)

  • Bizarrer Wahn, also völlig unrealistische Wahnvorstellungen (zum Beispiel die Vorstellung Gott zu sein)

 

  • Halluzinationen

  • Gedankenabreißen oder Gedankeneinschiebungen, was heißt, dass Betroffene zum Beispiel unzusammenhängend reden oder neue Wörter erfinden

  • Auffälligkeiten in der Bewegung, zum Beispiel durch körperliche Unruhe, sich immer wiederholende Bewegungen oder Bewegungslosigkeit

 

  • Teilnahmslosigkeit, Auffälligkeiten in der Sprache (Sprachverarmung), unangemessene oder verarmte Gefühlsregungen, Rückgang von sozialen Kontakten und Leistungsfähigkeit

 

Eine Schizophrenie verläuft oft phasenweise, in akuten Phasen verlieren die Betroffenen den Bezug zur Wirklichkeit und leben in ihrer eigenen Welt, in der die genannten Symptome wie Wahn, Halluzinationen oder Stimmen dominieren. Diese sogenannten Plussymptome sind also Dinge, die es in der Wirklichkeit in dieser Form nicht gibt, sondern im Falle einer Erkrankung zusätzlich entstehen (plus). Nach dem Abklingen dieser akuten Phasen, die extrem viel Kraft und Energie kosten, folgen Phasen mit Minussymptomen wie Hoffnungslosigkeit, depressiver Stimmung, innerer Leere, Mutlosigkeit und sich daraus ergebendem Rückzug. Auch Sprache und Bewegung können verändert sein. Betroffene haben zudem oft große Probleme, sich in sozialen Situationen zurechtzufinden, weil es ihnen zum Beispiel schwerfällt, Mimik zu deuten oder ein Gespräch zu führen.

 

Solche Erkrankungen können in bestimmten Fällen chronisch verlaufen, oftmals jedoch nicht. Je eher sich Betroffene Hilfe suchen und je besser sie an Hilfsmöglichkeiten angebunden werden, desto aussichtsreicher ist die Heilungschance. Es ist hierbei besonders wichtig, viel über die persönliche Ausprägung der Erkrankung zu wissen. Dies kann natürlich erst im Verlauf geschehen, aber es ist möglich, das Entstehen einer erneuten akuten Phase zu erkennen und somit den Verlauf zu beeinflussen oder abzuschwächen. Hierfür ist es wichtig, individuelle Frühwarnzeichen zu kennen und erkennen, was nicht einfach ist, aber möglich.

 

Bei der Diagnose ist es auch immer wichtig, andere Erkrankungen auszuschließen. Einige der genannten Symptome können zum Beispiel auch Hinweise auf Gehirnerkrankungen, Substanzmissbrauch oder Depressionen sein.