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Essstörungen
Helfen

Was hilft - Therapien

Therapiemöglichkeiten bei Essstörungen sind vielfältig. Sie müssen und werden auf die Betroffenen individuell abgestimmt. Wichtig ist, dass jeder Schritt mit dem/der Patient*in besprochen wird und es natürlich ein Mitspracherecht gibt. Viele Menschen haben Angst vor einer Behandlung, weil sie nicht wissen, wie diese abläuft und was passiert. Daher ist es ganz wichtig, die vielen Informationsquellen zu nutzen, die es gibt (zum Beispiel hier) und bei Unklarheiten immer Fragen zu stellen. Gerade bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen spielen Vertrauen und eine gute Kommunikation eine ganz wichtige Rolle und formen die Basis für einen guten Heilungsprozess.

Es gibt mehrere gut erforschte Behandlungsmöglichkeiten im Bereich der Psychotherapie, die bei Essstörungen zum Einsatz kommen, zum Beispiel die kognitive Verhaltenstherapie, in der problematische Denkmuster analysiert und verändert werden, oder auch die familienbasierte Therapie. Da Essstörungen oft im Jugendalter beginnen, kann es sehr sinnvoll sein, die Familie der Betroffenen mit einzubeziehen. Ein großer Punkt ist natürlich das Thema Essen, welches in der Therapie eine wichtige Rolle spielt, da die Normalisierung des Essverhaltens eins der wichtigsten Ziele in der Behandlung darstellt. Für viele Betroffene stellt dies die absolut größte Herausforderung dar, da sie große Angst davor haben zum Beispiel wieder mehr essen zu „müssen“. Aber auch hier werden sie natürlich durch das Fachpersonal wie Therapeuten oder Ernährungsexperten intensiv begleitet. Zusätzlich gibt es Angebote, bei denen die Betroffenen lernen, ihren Körper wieder anders wahrzunehmen oder Entspannungsverfahren nutzen, um die Anspannung zu lösen und viele weitere. Solche Therapieangebote sind oftmals bereits sehr wirksam und erfolgreich. Zusätzlich können in manchen Fällen noch Medikamente zum Einsatz kommen, wenn zum Beispiel die depressiven Symptome sehr ausgeprägt sind und hier ein hoher Leidensdruck herrscht, auch dieser Schritt wird aber immer mit dem/der Patient*in besprochen, vor allem werden hier auch immer die Nebenwirkungen berücksichtigt und in Relation zum Nutzen gestellt.

All diese Angebote können in unterschiedlichem Rahmen stattfinden, entweder ambulant, teilstationär (Tagesklinik) oder vollstationär.

 

Ambulant bedeutet, dass man wöchentliche Termine, zum Beispiel beim Therapeuten, wahrnimmt und somit komplett in seinem gewohnten Alltag bleiben kann. Da man natürlich auch außerhalb der Therapiesitzungen an sich und dem Gesundwerden arbeiten sollte, setzt diese Form eine hohe Eigenverantwortung voraus.

Tageskliniken können sehr sinnvoll sein, da die medizinische und therapeutische Versorgung hier natürlich viel intensiver ist. Zwar bedeutet es, dass man für mehrere Wochen aus dem normalen Alltag heraus muss, sei es Schule oder Arbeit, aber genau das kann sich auch positiv auswirken. Dennoch geht man bei einem solchen Angebot am Ende des Tages wieder zurück nach Hause in das gewohnte Umfeld.

 

Vollstationär ist dann besonders gut und wichtig, wenn zum Beispiel medizinische Gründe für eine intensivere Betreuung sprechen oder eine komplette Auszeit aus dem Alltag sinnvoll ist. Bei einem stationären Aufenthalt kann eine ganz umfassende Betreuung stattfinden, ohne dass man nebenbei noch die alltäglichen Aufgaben zu Hause bewältigen muss. Auch dies kann sehr sinnvoll sein, auch wenn es ein Schritt ist, vor dem viele vielleicht Angst haben.

Wichtig ist, sich eine Klinik zu suchen, die sich fachlich mit dem Thema gut auskennt. Hier können Therapeuten und Krankenkassen behilflich sein oder auch die Suche des Fachverbandes Essstörungen Mitgliederverzeichnis - Bundes Fachverband Essstörungen (bundesfachverbandessstoerungen.de).

Was kann ich für andere tun?

Weitere Hilfsangebote

Was kann ich für andere tun?

Wenn du das Gefühl hast, dass du jemanden kennst, der mit Essstörungen zu kämpfen hat, kann es dieser Person sehr guttun, wenn du ihr zur Seite stehen möchtest. Dennoch solltest du dir bewusst machen, dass das ein längerer Prozess sein kann und die Person vielleicht nicht beim ersten (auch nicht beim zweiten oder dritten) Gespräch deine Hilfe annimmt – aber beim vierten Versuch womöglich. Akzeptiere das und setze die Person nicht unter Druck. Eine ganz große Ausnahme ist es natürlich, wenn die Krankheit schon so weit fortgeschritten ist, dass die Person akut ärztliche Hilfe benötigt.

Hier ein paar Tipps, die du gerade beim Thema Essstörungen beachten solltest, wenn du das Gespräch suchst:

 

Mache dir selbst klar, dass Essstörungen eine Krankheit sind und mache der Person keine Vorwürfe, dass sie „falsch“ oder „nicht genug“ isst. Mit Sicherheit ist der Person das faktisch zu einem gewissen Grad bewusst, trotzdem ist es Teil der Krankheit, dass ihr Essverhalten gestört ist und sie es zu diesem Zeitpunkt nicht einfach ändern kann.

Spiegel der Person wider, dass du dir Sorgen machst, weil sie sich zum Beispiel zurückzieht oder sich ihre Stimmung verändert hat und biete ihr deine Hilfe an. Spreche das Thema Essen offen aber behutsam an, sorge für eine ruhige und ungestörte Gesprächsatmosphäre. Erkläre der/dem Betroffenen, dass Essstörungen etwas sind, dass man mit ärztlicher und therapeutischer Hilfe gut behandeln kann und mache ihr/ihm klar, dass sie/er sich Hilfe suchen sollte. Mache das Thema Essen nicht zum beherrschenden Thema im Alltag, sondern versuche, weiterhin normale Aktivitäten anzuregen, bei der sich die betroffene Person wohl fühlt.

Wenn die Person nicht bereit ist, über das Thema zu sprechen, akzeptiere das und sage ihr, dass du jederzeit bereit bist, darüber zu sprechen, wenn die Person es möchte. Bleibe am Ball und nutze die Zeit bis zum nächsten Gespräch, um dich über Hilfsmöglichkeiten zu informieren oder schicke ihr Links zu dieser Seite oder den anderen genannten Hilfeseiten. Informationen über das Thema zu erhalten und sich damit auseinanderzusetzen, kann Betroffenen helfen und sie motivieren, sich Hilfe zu suchen.

Sei dir bewusst, dass du nicht dafür verantwortlich bist, die Person von ihrer Erkrankung zu befreien und mache dir keine Vorwürfe, wenn sie deine Hilfe ablehnt. Der Wunsch ihr zu helfen zeigt bereits, dass dir die Person wichtig ist. Vielleicht kann sie dir das während der Erkrankung nicht zeigen, aber du kannst dir ziemlich sicher sein, dass sie deine Hilfe zu schätzen weiß. Du kannst sie begleiten und ihr zur Seite stehen, achte dabei aber auch auf dich und deine Grenzen. Wenn die Person das möchte, helfe ihr dabei Ärzte, Therapeuten oder andere Hilfsangebote zu finden, aber setze sie nicht unter Druck. Das beste und wichtigste, was du tun kannst, ist an ihrer Seite zu bleiben und sie durch den Prozess der Therapie und der Heilung zu begleiten. Für alles andere sind die Profis zuständig.