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Was hilft - Therapien

 

Sind Depressionen heilbar?

Diese Frage kann man nicht so einfach beantworten, da dies von vielen Faktoren abhängt und bei jeder*m Betroffenen anders sein kann. Ja, es gibt viele Menschen, die nur diese eine depressive Episode im Leben haben und danach keinerlei Symptome mehr erleben. Es gibt auch Menschen, die über viele Jahre symptomfrei sind und dann, zum Beispiel durch einen Schicksalsschlag, wieder depressiv werden. Andere Betroffene leiden seit vielen Jahren tagtäglich. Mittlerweile gibt es viele Wege und Möglichkeiten, Depressionen zu behandeln und mit Depressionen leben zu lernen. Für viele Betroffene ist genau das ein wichtiges Ziel im Umgang mit dieser Erkrankung, nämlich sich selbst und die Krankheit so gut kennenzulernen, dass man weiß, wie man mit Symptomen umgeht und was helfen kann, um sie zu lindern. Idealerweise gestaltet man sein Leben so, dass man seine persönlichen Auslöser oder Stressfaktoren so gut es geht minimiert – was nicht immer einfach ist und sehr viel Arbeit und Ausdauer benötigt. Kurzum, bei Depressionen führen viele Wege zu vielen Zielen, aber man kann lernen damit zu leben. 

 

Wie kann man Depressionen behandeln?

Viele Menschen, die mitten in einer Depression stecken, haben das Gefühl, dass sie aus diesem schwarzen Loch nie mehr herauskommen – auch das ist ein typisches Symptom dieser Krankheit. Doch es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, Depressionen zu behandeln und das Ziel dieser Behandlung kann je nach Art und Schwere der Depression unterschiedlich sein. Bei manchen geht es darum, die Symptome zu lindern und im Alltag wieder klarzukommen, für andere kann auch eine vollständige Genesung möglich sein. Dies ist ganz individuell und auch die Wege dorthin können für jeden Betroffenen anders verlaufen.

 

Ich möchte auf dieser Seite die wichtigsten Varianten der Behandlung vorstellen, wobei eine Behandlung oft auch aus mehreren Komponenten bestehen kann. Wichtig ist dabei, dass jede Behandlung in Absprache mit dem/der Betroffenen erfolgt. Wer mit depressiven Symptomen zum Arzt geht, muss nicht glauben, dass er/sie gegen seinen/ihren Willen zu einer Behandlung oder zur Einnahme von Medikamenten gezwungen wird! Die Hürden sind in Deutschland sehr hoch, erst wenn Menschen beispielsweise während einer Psychose andere oder sich selbst akut gefährden, kann eine Zwangseinweisung in eine Psychiatrie angeordnet werden. Davor muss ein*e Patient*in mit depressiven Symptomen also keine Angst haben. Jede*r hat grundsätzlich das Recht, über alles aufgeklärt zu werden und mitzuentscheiden, was passiert oder auch eine zweite Meinung einzuholen. Tipp: Falls ihr jemanden kennt, der sich scheut einen Arzt aufzusuchen, kann es sinnvoll sein, ihn/sie darüber aufzuklären und somit die Angst vor dem Arztbesuch zu nehmen.

 

Psychotherapie

Es gibt unterschiedliche Arten der Psychotherapie, neben der Gesprächstherapie hat sich vor allem bei Depressionen die kognitive Verhaltenstherapie als sehr wirksam erwiesen. Hierbei stehen Denkweisen und die Einstellung zu sich selbst und der Welt im Vordergrund. Die Patienten lernen, ihre Denkmuster zu analysieren und zu verändern. Psychotherapien können ambulant, teilstationär (zum Beispiel in Tageskliniken) oder stationär stattfinden.

Leider sind Therapieplätze nicht so einfach zu bekommen, wie man dabei am besten vorgeht könnt ihr hier nachlesen. Zum Teil gibt es auch bereits online Möglichkeiten für eine Psychotherapie. Viele Studien haben ergeben, dass diese Form der Therapie auch gut wirksam ist. Eine Möglichkeit, die auch bereits von einigen Krankenkassen übernommen wird, bietet hier zum Beispiel MindDoc.

 

Medikamentöse Behandlung

Es gibt unterschiedliche Medikamente, Antidepressiva, die ab einem bestimmten Grad der Depression sinnvoll und notwendig sind. Bei leichten Formen der Depressionen werde diese eher nicht eingesetzt. Meist wirken Antidepressiva erst innerhalb von ca. zwei Wochen. Sie bewirken, dass die Botenstoffe – Serotonin und Noroadrenalin – im Gehirn wieder ins Gleichgewicht kommen und somit zum Beispiel die Antriebslosigkeit verringert wird. Aber dieser Prozess braucht Zeit und die Betroffenen somit Geduld. Dennoch reagiert jeder Mensch unterschiedlich auf diese Medikamente, daher kann es manchmal dauern, bis das richtige gefunden wird. Antidepressiva haben Nebenwirkungen, wie viele andere Medikamente auch, diese werden aber vor der Einnahme natürlich genau erklärt und Patienten haben auch hier wieder ein Mitspracherecht. Oftmals sind Antidepressiva ein wichtiger und notweniger Begleiter in der Behandlung zusätzlich zur Psychotherapie.

 

(Angeleitete) Selbsthilfe

Das Thema Selbsthilfe ist ein wichtiges Thema, wenn es um psychische Erkrankungen geht. Leider gibt es in diesem Bereich viele Angebote, die unseriös sind und etwas versprechen, was depressiven oder psychisch erkrankten Menschen eher schadet als nützt. Insbesondere auf YouTube oder anderen Plattformen findet man die „heile dein inneres Kind“ oder „ändere deine Glaubenssätze“ Videos, die in dieser Form vielleicht für bestimmte Menschen Sinn machen, für akut psychisch Erkrankte aber in den meisten Fällen nicht. Sie brauchen eine Begleitung, um sich mit solchen Themen auseinanderzusetzen, da sie zum Beispiel Gefühle triggern können, mit denen sie dann alleine nicht zurechtkommen. Viele Erkrankte greifen dennoch gerne zu Selbsthilfebüchern oder anderen Ressourcen, weil sie sich oftmals lieber selber helfen möchten, als sich anderen mitzuteilen. Je nach Grad der Depression kann dies auch hilfreich sein. Es gibt daher durchaus gute Angebote, die auch Teil der Therapie sein können, als angeleitete Selbsthilfe. Es gibt sogar die Bibliotherapie, bei der zum Beispiel vom Therapeuten gezielt Bücher zur Selbsthilfe empfohlen werden. Immer beliebter werden internetbasierte Selbsthilfe-Tools, die laut Studien oftmals auch sehr sinnvoll und wirksam sein können. Ich möchte daher hier ein paar Beispiele vorstellen, die wissenschaftlich fundiert sind, dennoch eine ärztliche Abklärung und Begleitung nicht ersetzen!

 

Selfapy Depressionen

Ein kostenloser online Kurs bei Depressionen. Dieser kann nach Einlösung eines Rezepts, das durch Therapeuten oder Ärzte ausgestellt wird, absolviert werden. Die Ergebnisse einer Studie der Charité zeigen, dass dieser Kurs helfen kann, depressive Symptome zu lindern.  Deine psychologische Online-Therapie - Selfapy

 

Moodgym

Ebenfalls kostenlos und von australischen Wissenschaftlern entwickelt bietet Moodgym „Hilfe zur Vorbeugung oder Verringerung von depressiven Symptomen“. Es soll vor allem auch therapiebegleitend genutzt werden und somit keinesfalls eine Therapie ersetzen. Der Fokus liegt hier darauf, Gedankenmuster zu durchschauen und zu verändern.

moodgym - Herzlich Willkommen!

Einfache Hilfe im Alltag

Unterstützend können auch Sport, Yoga, Meditation bzw. andere Entspannungsverfahren oder Spaziergänge in den Alltag eingebaut werden. Auch ein strukturierter Tagesablauf kann sehr hilfreich sein, um depressiven Episoden vorzubeugen oder damit zurechtzukommen. Die Unterstützung von Freunden und Familie ist bei dieser Erkrankung ebenfalls sehr wichtig!

 

 

 

Wie kann ich helfen?

Akzeptieren, Unterstützen, Hoffnung geben

Depressionen sind eine unglaublich große Herausforderung – für Betroffene aber auch für Angehörige oder Freunde. Ganz wichtig ist, dass ihr euch klar macht, dass es sich um eine Erkrankung handelt und der/die Betroffene sich nicht „extra“ so verhält oder „einfach keine Lust hat“ irgendetwas zu tun. Auch wenn das Verhalten von Betroffenen manchmal sehr wütend oder ohnmächtig macht, gebt ihnen nicht die Schuld daran, denn sie sind nicht schuld daran. Zeigt Verständnis und wenn ihr in bestimmten Situationen dazu nicht in der Lage seid, dann verlasst die Situation lieber, bevor ihr wütend werdet oder sich eine Eskalation anbahnt. Seid euch auch bewusst, dass eure Hilfe oder Gesprächsangebote vielleicht erst mal nicht gewollt sind, weil der/die Betroffene zu diesem Zeitpunkt noch nicht bereit ist, diese anzunehmen. Dann akzeptiert dies zunächst, aber bleibt dran.

Helft Betroffenen zu verstehen, dass es sich um eine Erkrankung handelt, für die es gute Therapien gibt. Ermutigt sie unbedingt, einen Termin in der Hausarztpraxis zu vereinbaren und begleitet sie dorthin, wenn sie das möchten. Oft ist es schon sehr hilfreich, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, sich krankschreibzulassen und sich Zeit zu nehmen, um zu verstehen, was da gerade mit einem passiert. Auch wenn das ein sehr langer Prozess sein kann. Sollte eine Psychotherapie verordnet werden, helft dabei, geeignete Therapeuten zu finden. Wie ihr das am besten macht, erfahrt ihr in meinem Blog. Wenn Medikamente verordnet werden, könnt ihr Betroffene ermutigen, diese regelmäßig zu nehmen. Es kann teilweise länger dauern, bis das richtige Medikament gefunden wurde, daher brauchen Betroffene hier Geduld und Durchhaltevermögen.

Viele Dinge des Alltags können für Betroffene sehr schwer sein. Klärt, ob ihr beim Einkaufen oder im Haushalt unterstützen sollt. Das kann eine große Hilfe sein, aber zunächst für die betroffene Person auch erstmal eine Überwindung, dies zuzulassen. Ermutigt auch zu Spaziergängen oder geht regelmäßig vorbei, um zu quatschen oder ganz normale Aktivitäten anzuregen, die dem/der Betroffenen Spaß machen könnten. Regelmäßigkeit kann Betroffenen helfen, den Alltag zu strukturieren. Aber auch hier gilt: nicht drängen, sondern ermutigen.

Hoffnung ist ein unglaublich starker und wichtiger Faktor bei psychischen Erkrankungen, vor allem auch bei Depressionen. Helft Betroffenen die Hoffnung zu bewahren, dass sich ihre Situation wieder bessern wird. Erinnert sie daran, dass es Therapien und Hilfsmöglichkeiten gibt und sie aktiv an ihrem Heilungsprozess arbeiten können.

 

Denkt bei allem daran, dass Worte – gerade bei Depressiven – sehr mächtig sind und vielleicht nicht immer so verstanden oder aufgefasst werden, wie ihr denkt. An Depressionen erkrankte Menschen hören sehr oft Sätze, die sie nicht hören wollen oder die deutlich machen, dass ihre Erkrankung nicht als solche akzeptiert wird.

 

Ein paar Beispiele dafür, und wie man es besser machen kann, findet ihr in diesen Blogbeiträgen.

Bei allen Tipps gilt:

Jede*r Erkrankte ist anders und reagiert anders auf eure Hilfe. Manche sagen im Nachhinein, dass es hilfreich war, dass ihnen jemand ein bisschen in den Hintern getreten hat, andere erleben es als totale Bevormundung. Den richtigen Weg zu finden kann eine Herausforderung sein, für Betroffene aber eine große Hilfe auf dem Weg der Genesung bedeuten. Also macht euch bitte die Mühe und traut euch.