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Burnout
Helfen

Was hilft - Therapien

Entspannung ist angesagt

Burnout wird mit unterschiedlichen Therapieformen behandelt, jedoch gibt es hierfür keine offiziellen Leitlinien, da Burnout nicht offiziell als Erkrankung gilt. Der „Markt“ an Therapien ist daher sehr groß und unübersichtlich. Dennoch gibt es viele Kliniken und Rehaeinrichtungen, die sich auf die Behandlung von Burnout spezialisiert haben. Hier kommen zunächst vor allem Entspannungstechniken oder Sport zum Einsatz, um die körperliche Erschöpfung zu lindern. Studien haben gezeigt, dass Qigong oder Progressive Muskelentspannung besonders gut geeignet sind, um die Anspannung zu reduzieren. Aber auch andere Verfahren wie Atemtechniken, Yoga oder Kraftsport werden angeboten. Weitere wichtige Bausteine der Therapie sind verschiedene Formen der Psychotherapie, wie zum Beispiel die kognitive Verhaltenstherapie. Für Betroffene ist es wichtig zu verstehen, warum sie ihre Grenzen nicht beachtet haben und inwiefern ihre erlernten Verhaltensmuster und Überzeugungen dazu beigetragen haben. Auch ein Austausch in der Gruppe über diese Erfahrungen kann sehr hilfreich sein. Natürlich ist auch wichtig, einen neuen Umgang mit Stress zu erlernen – was stresst mich und warum und wie kann ich damit in Zukunft besser umgehen? Persönliche Ressourcen und Bewältigungsstrategien spielen hier eine wichtige Rolle. Insgesamt ist bei Burnout-Therapien wichtig, aus dem gewohnten Alltag bewusst herauszutreten, um zu Kräften zu kommen und sich in die Lage zu versetzen, die Situation „von außen“ zu beobachten. Eine überlegte und rationale Analyse der Situation ist während der akuten Symptome des Burnouts oft nicht möglich.

Indivduelle Wege gehen

Bei einer Burnout-Behandlung gibt es wahrscheinlich so viele Genesungswege, wie es Patienten gibt. Mal dauert es länger, mal reicht vielleicht einfach schon eine Auszeit von ein paar Wochen. Bei manchen Menschen können auch Medikamente zum Einsatz kommen, dennoch liegen hierfür aufgrund der fehlenden Krankheitsklassifikation für Burnout keine Empfehlungen vor. Symptome wie Schlaflosigkeit können mit Medikamenten oder pflanzlichen Alternativen behandelt werden. Im fortgeschrittenen Stadium ähneln die Symptome stark einer Depression bzw. sind zum Teil nicht mehr von dieser zu unterscheiden. Somit können auch Antidepressiva helfen. Dabei wird aber immer individuell überlegt, wie sinnvoll es ist und welche Risiken dabei zu berücksichtigen sind.

Neben den Therapien „von außen“ sind für Burnout-Betroffene Selbstreflexion und eine Veränderung des Lebensstils oft wichtige und sinnvolle Schritte auf dem Weg zur Besserung. So kann ein Burnout auch oft als Chance gesehen werden, sein Leben positiv zu verändern.

Wie kann ich helfen?

Auf Abwehr vorbereiten

Oft fällt Außenstehenden bereits ziemlich früh auf, dass jemand in ein Burnout schlendert. Betroffene wollen dies jedoch nicht wahrhaben und weiter funktionieren. „Ich schaffe das schon, muss mich am Wochenende nur ein bisschen ausruhen“ – das reicht leider nicht. Ein Burnout kann in einer Depression oder anderen Erkrankungen enden, daher ist es wichtig, Betroffene auf die Veränderungen aufmerksam zu machen, die man an ihnen bemerkt. Wenn ihr Freunde, Kollegen oder Familienangehörige darauf ansprecht, seid euch aber bewusst, dass Betroffene vielleicht noch nicht in der Lage sind, ihre bereits vorhandenen Symptome als ernste Warnzeichen zu erkennen. Denn die meisten Menschen können sich nicht vorstellen, nicht mehr zu funktionieren, es muss weitergehen. Anzuerkennen, dass etwas nicht stimmt, würde bedeuten, dass alles zusammenbricht und davor haben viele Angst.

Erinnert an das Prinzip der Sauerstoffmaske

Dennoch solltet ihr das Gespräch suchen, einfühlsam, an einem ruhigen Ort und darauf achten, dass ihr der Person keine Vorwürfe macht. Spiegelt ihr wider, dass ihr Veränderungen wahrgenommen habt und ihr euch Sorgen macht. Ermutigt die Person, den Hausarzt/die Hausärztin aufzusuchen und dort über ihre Situation zu sprechen. Es kann sein, dass ein Besuch beim Arzt aus Angst vor einem Krankenschein abgelehnt wird „ich kann doch jetzt nicht zu Hause bleiben“. Auch Menschen mit familiären Verpflichtungen, wie der Pflege eines Angehörigen erlauben sich oft nicht, sich diese wichtige Auszeit zu nehmen. Dann macht deutlich, dass eine Überanstrengung zu weiteren schwerwiegenderen Symptomen führen kann und die Gesundheit im Zweifel immer wichtiger ist als die Arbeit oder Verpflichtungen. Denkt an das Beispiel aus dem Flugzeug: Erst sich selbst die Sauerstoffmaske anziehen, damit man anschließend anderen helfen kann!

Hilfe annehmen ist nicht so leicht

Macht euch auch bewusst, dass es gerade für Burnout-gefährdete Menschen sehr schwer ist, Hilfe anzunehmen. Man will einfach alles allein schaffen und anderen nicht zur Last fallen. Außerdem kann es für Betroffene bereits zu anstrengend sein, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten, weil die körperliche und psychische Erschöpfung sehr groß ist. Ein einfaches Gespräch kann schon viel Kraft kosten, weil die Konzentrationsfähigkeit dafür einfach nicht mehr ausreicht. Bleibt daher dran, steht der Person zur Seite und bietet eure Hilfe immer wieder an, ohne aufdringlich zu werden. Macht der Person klar, dass sie bereits extrem viel leistet (das können Betroffene oft selber nicht anerkennen) und dass sie das Recht und auch die Pflicht hat, sich um sich selbst zu kümmern.

Begleiten und Ermutigen

Versucht es mit kleinen „Entspannungseinheiten“ wie der Einladung zu einem Spaziergang oder anderen ruhigen Aktivitäten. Ein Besuch im Café ist für manche vielleicht schon zu viel oder zu laut. Sorgt somit dafür, dass die Person sich wieder um sich selbst kümmert und Hobbys oder soziale Kontakte aufrechterhält. Nehmt ihr – nach Rücksprache – Erledigungen oder andere Verpflichtungen ab, damit sie sich Ruhe gönnen kann.

Helft Betroffenen dabei, sich Hilfe zu suchen. Dies kann schon durch einen Besuch in der Hausarztpraxis geschehen. Eventuell wird eine Kur bzw. Reha empfohlen, was sehr sinnvoll ist. Ermutigt sie dann dazu, sich diese Auszeit zu gönnen und helft ihr aktiv dabei, eventuelle Einwände zu beseitigen (zum Beispiel eine Kurzzeitpflege für eine Pflegeperson organisieren etc.). Macht Hoffnung und ermutigt die Person dazu, sich Hilfe und eventuell eine Auszeit zu „genehmigen“.