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Angsterkrankungen Helfen

Was hilft - Therapien

Verstehen und früh Hilfe holen

Angsterkrankungen werden mit Psychotherapie oder auch Medikamenten behandelt. Ein wichtiger Faktor ist dabei auch die Psychoedukation, also das Wissen darüber, wie Angst entsteht, was die Vorgänge im Körper sind und dass man die Angst zum Beispiel durch Therapie in den Griff bekommen kann. Bei einigen Angsterkrankungen werden im Rahmen der Psychotherapie auch Expositionstherapien durchgeführt, das heißt, man setzt sich in therapeutischer Begleitung bewusst der Angst aus. Dies wird aber sehr lange und vorsichtig vorbereitet und zum Beispiel auch durch Entspannungsübungen begleitet. Betroffene lernen so, dass die Angst unbegründet ist und sich verringert.

In bestimmten Fällen können auch bei Angsterkrankungen Medikamente sinnvoll sein, weil sie akute Angstzustände lindern oder auch über einen längeren Zeitraum ein besseres Leben mit der Erkrankung ermöglichen. Hier kommen oft die gleichen Medikamente wie bei Depressionen zum Einsatz, die bestimmte Prozesse im Gehirn beeinflussen. Diese Medikamente machen nicht abhängig und werden ganz spezifisch auf die Patienten und die Erkrankung angepasst. Alle Behandlungen (mit Ausnahme von ganz akuten Notfällen natürlich) werden immer mit den Betroffenen besprochen und abgestimmt.

Je eher sich Betroffene in Behandlung begeben, desto schneller und besser können sie genesen. Es ist daher wichtig, über die Symptome zu reden, ohne das Gefühl zu haben, sich schämen zu müssen. Ermutigt Menschen, die mit Angstsymptomen kämpfen daher, darüber zu sprechen und sich Hilfe zu holen.

Wie kann ich helfen?

Akut

Wenn jemand Angstsymptome zeigt, ähneln diese oft anderen Erkrankungen, wie einem Herzinfarkt. Gerade wenn sie zum ersten Mal auftreten, kann man dies nicht genau unterscheiden. In solch akuten Situationen solltet ihr den/die Betroffene entweder zum Arzt begleiten oder einen Krankenwagen rufen. Auch für die Betroffenen kann das bereits eine große Erleichterung sein, oft lassen die Symptome dann schon nach.

Im Alltag

Helft Betroffenen zu verstehen, dass es sich bei ihren Ängsten um eine Erkrankung handelt bzw. handeln kann, die behandelbar ist. Macht ihnen auch klar, dass sie an dieser Erkrankung nicht schuld sind. Je mehr sie über die Erkrankung und deren Entstehung wissen, desto eher können sie diese vielleicht akzeptieren. Ermutigt sie dazu, einen Termin bei der Hausärtzin/beim Hausarzt zu vereinbaren und macht deutlich, dass sie aktiv etwas tun können, damit es ihnen besser geht. Gebt ihnen Hoffnung!

Akzeptiert die Erkrankung als solche und sagt auf keinen Fall Sätze wie "stell dich nicht so an" oder "da passiert doch nichts". Für Betroffene sind ihre Ängste real und sie lösen sehr reale körperliche Reaktionen aus. Bei einer Panikattacke ist zum Beispiel das Gefühl gleich ohnmächtig zu werden oder zu sterben extrem real!

Bei Ängsten ist es sehr wichtig, die Balance zwischen zu starker Überforderung und zu großer Vermeidung zu finden. Je mehr Betroffene bestimmte Situationen vermeiden, desto mehr breitet sich die Angst aus. Ermutigt sie also, nicht komplett in die Vermeidungshaltung zu verfallen und sich stattdessen Hilfe zu holen. Geht vielleicht mit ihnen in den Supermarkt, wenn sie sich das zutrauen. Akzeptiert aber auch, wenn es gerade nicht geht. Manchmal kann es auch sinnvoller sein, dass dies nur mit therapeutischer Begleitung gemacht wird, je nach Ausmaß der Erkrankung.

Bleibt auch bei einem Rückzug Ansprechpartner*in, denn soziale Unterstüzung ist bei psychischen Erkrankungen extrem wichtig. Dank Corona kennen wir uns alle besser mit Zoom & Co. aus, nutzt zum Beispiel auch solche Möglichkeiten, wenn sich der/die Betroffene damit wohl fühlt. Leider führen gerade Angsterkrankungen zu starkem Rückzug und Vereinsamung. Bleibt daher dran und begleitet den/die Betroffene, vor allem auch wenn es darum geht, Dinge zu regeln, Therapeuten oder Ärzte zu finden.

Sucht das Gespräch, versucht die Erkrankung zu verstehen und herauszufinden, inwieweit der/die Betroffene im Moment bereit ist, etwas dagegen zu unternehmen. Wichtig ist, dass ihr sie nicht unter Druck setzt oder überfordert. Akzeptiert die Grenzen, die der/die Betroffene euch setzt, erneuert euer Hilfsangebot aber regelmäßig.

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